Fragen und Antworten

Wodurch entsteht eine chronische Übersäuerung?

Der Körper verfügt über ein ausgeklügeltes System, um unseren Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Wichtigstes Organ dafür sind die Nieren. Wenn wir uns gelegentlich mit einem deutlichen Überschuss an Säure-bildenden Lebensmitteln wie z.B. Zucker, Weißmehl, Wurstwaren oder hochprozentigem Alkohol ernähren, kann der Körper das ausgleichen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion macht diese Ernährung auf Dauer, vor allem gepaart mit Bewegungsmangel, dem Körper jedoch sehr zu schaffen. Die Nieren spielen eine sehr wichtige Rolle für das Gleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts. Wenn sie nicht mehr ausreichend funktionieren und das Gleichgewicht nicht mehr aufrechterhalten können, kommt es zu einer Übersäuerung.
Durch eine gesunde Ernährung und Bewegung ist es möglich, die Nieren zu entlasten und bei beginnender Niereninsuffizienz eine Übersäuerung zumindest hinauszuzögern.
Was ist eine chronische Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose)“, „Wie entsteht eine chronische Übersäuerung?“, „Basenreiche Ernährung“, „Säure-Base-Rechner

Bemerke ich eine Übersäuerung selbst?

Die Übersäuerung des Körpers macht sich nicht durch eindeutige Symptome bemerkbar. Sie darf nicht mit einer Übersäuerung des Magens verwechselt werden, die eindeutige Symptome (z.B. Aufstoßen) verursacht. Anzeichen wie Müdigkeit und allgemeine Schwäche können viele Ursachen haben und nur ein Arzt kann durch eine Analyse des Blutes feststellen, ob tatsächlich eine Übersäuerung vorliegt. Wenn Sie eine Niereninsuffizienz haben und sich müde und schwach fühlen, sprechen Sie Ihren Arzt auf das Thema Übersäuerung an. Er wird eine Blutgasanalyse durchführen und danach eindeutig sagen können, ob Ihre Beschwerden durch eine Übersäuerung hervorgerufen werden und wie diese behandelt werden kann. Durch einen Urintest kann eine Übersäuerung nicht festgestellt werden, da der pH-Wert des Urins im Laufe des Tages stark schwankt.
Symptome und Folgen der chronischen Übersäuerung

Was passiert, wenn eine Übersäuerung nicht behandelt wird?

Viele Prozesse in unserem Körper können nur richtig ablaufen, wenn der Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht ist. Eine über Jahre anhaltende Übersäuerung kann daher schwerwiegende Folgen haben. Dazu gehören eine weitere Verminderung der bereits eingeschränkten Nierenfunktion und damit eine frühzeitigere Dialyse, Atemprobleme, Muskelschwund, Knochenschädigung, Probleme mit dem Blutdruck und Herzen sowie Diabetes.
Symptome und Folgen der chronischen Übersäuerung

Ist ein spezieller Arzt für die Behandlung einer Übersäuerung zuständig?

Es gibt keinen speziellen Facharzt, der für die Behandlung der Übersäuerung zuständig ist. Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an oder, falls Sie bereits in nephrologischer Behandlung sind, Ihren Nierenfacharzt. Für die Diagnose ist eine Blutgasanalyse notwendig, für die meist nur etwas Blut aus dem Ohrläppchen benötigt wird, das in einem speziellen Gerät analysiert wird. Dazu wird Ihr Arzt Sie möglicherweise zu einem anderen Arzt überweisen, der über ein Gerät zur Blutgasanalyse verfügt, da die Messung sofort nach der Blutabnahme erfolgen muss. Sobald das Ergebnis vorliegt, kann Ihr Arzt die Behandlung übernehmen.

Was kann ich selbst gegen eine Übersäuerung tun?

Was kann ich selbst gegen eine Übersäuerung tun? Durch eine gesunde Lebensweise können Sie Ihrem Körper helfen, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Dazu gehört in erster Linie eine Ernährung mit viel Obst und vor allem Gemüse und wenig Zucker, Weißmehl, Fleisch und Wurstwaren sowie hochprozentigem Alkohol.
Basenreiche Ernährung“, „Säure-Base-Rechner
Außerdem wirkt sich viel Bewegung positiv aus. Solange Ihre Nierenfunktion nur leicht eingeschränkt ist, können Sie damit eine Übersäuerung verhindern. Bei einer starken Schädigung der Niere oder Dialyse reichen diese Maßnahmen leider nicht mehr aus und die Übersäuerung sollte medikamentös mit magensaftresistentem Bicarbonat behandelt werden.
Wie wird eine chronische Übersäuerung behandelt?“, „Die Wirkung von Bicarbonat

Muss ich für den Rest meines Lebens Medikamente einnehmen oder kann man eine Übersäuerung „heilen“?

Eine Übersäuerung kann durch Medikamente kurzzeitig behoben werden, da jedoch durch die Nahrung und Stoffwechselvorgänge kontinuierlich Säuren entstehen, ist eine „Heilung“ nicht möglich. Die Übersäuerung kann allerdings durch eine gesunde Ernährung mit viel Obst und vor allem Gemüse sowie Bewegung verhindert werden, solange die Nierenfunktion noch ausreichend ist. Bei sehr eingeschränkter Nierenleistung oder Dialyse ist meist eine dauerhafte medikamentöse Behandlung notwendig.
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Schmecken Lebensmittel, die zu einer Übersäuerung beitragen können, sauer?

Ob ein Lebensmittel im Verdauungsprozess zu Säure verstoffwechselt wird, hat nichts damit zu tun, wie es schmeckt. Bei der Verdauung von Zucker entstehen beispielsweise Säuren, bei der Verdauung von Essig dagegen Basen. Auch Zitronen wirken – wie die meisten Obst- und Gemüsesorten - basisch, d.h. sie können einer Übersäuerung sogar entgegenwirken. Es spricht also absolut nichts dagegen, regelmäßig Zitronensaft zu trinken.
Basenreiche Ernährung“, „Säure-Base-Rechner

Welche Mineralwässer können leichte Formen einer Azidose günstig beeinflussen?

Empfehlenswert sind Mineralwässer mit einer hohen Menge an Hydrogencarbonat. Unter folgendem Link finden Sie eine Auflistung in Deutschland erhältlichen Mineralwässer im Vergleich. Dort kann man in der zweiten Spalte von links den Hydrogencarbonat-Gehalt für verschiedene Mineralwasser ablesen: http://www.plus-magazin.com/wp-contentnew/uploads/2013/07/Wasser-Liste.pdf Es muss sicher nicht unbedingt das Mineralwasser mit dem höchsten Gehalt an Hydrogencarbonat sein, es sollte ja auch schmecken. Sofern Ihr behandelnder Arzt bereits eine chronische metabolische Azidose diagnostiziert und möglicherweise Medikamente verordnet hat, sollten Sie die Wahl des Mineralwassers vorher mit dem Arzt abstimmen.

Was bedeutet die Diagnose „Übersäuerung/Azidose“ für meine Zukunft?

Wenn Ihr Arzt eine chronische Übersäuerung festgestellt hat, kann diese durch eine Ernährungsumstellung oder Einnahme von Bicarbonat behandelt werden . Durch diese Behandlung sollten die Symptome der chronischen Übersäuerung verschwinden. Allerdings hängt von der Ursache der Krankheit ab, ob nicht möglicherweise eine dauerhafte Behandlung erforderlich ist, zum Beispiel bei einer chronischen Nierenkrankheit. In diesem Fall müssen Sie damit rechnen, dauerhaft Ihre Ernährung umzustellen oder regelmäßig Tabletten einzunehmen, um die Azidose zu bekämpfen. Das genaue Vorgehen bei der Behandlung besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

Warum ist ein arterieller Blut-pH-Wert von 7,2 bereits „übersäuert“?

Aus der Schule oder entsprechenden Büchern wissen Sie vielleicht, dass in der Chemie ein pH-Wert von 7 neutral ist, darunter ist er sauer, darüber basisch. Daher stellt sich die berechtigte Frage, warum bei pH-Werten von über 7 von einer „Übersäuerung“ gesprochen wird. Tatsächlich haben unser Blut und die meisten anderen Flüssigkeiten unseres Körpers einen leicht basischen pH-Wert, nämlich etwa pH 7,35. Die genaue Einhaltung dieses pH-Wertes ist für die richtige Funktion vieler Enzyme sehr wichtig. Schon kleine Abweichungen können diese beeinträchtigen. Daher ist unser Körper bei einem pH-Wert von z.B. 7,2 „saurer“ als normal, wenn auch nicht „sauer“ im chemischen Sinne. In der Medizin nennt man eine Abweichung vom normalen pH-Wert nach unten daher azidotisch (von lat. Acidum = Säure). Obwohl das Blut bei einer Azidose also immer noch leicht alkalisch sein kann, ist eine solch leichte Abweichung trotzdem bereits azidotisch und kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Verträgt sich Bicarbonat mit anderen Medikamenten?

Bicarbonat kann die Magensäure teilweise neutralisieren und so die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen, die auf das saure Milieu des Magens angewiesen sind.
Moderne Bicarbonatpräparate sind jedoch magensaftresistent und setzen das Bicarbonat erst im Darm frei, wo unser Körper den Magensaft ohnehin wieder neutralisiert (übrigens unter anderem mit körpereigenem Bicarbonat!). Mit solchen Präparaten sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten daher weniger wahrscheinlich. Dennoch sollten Sie Ihren Arzt immer darüber informieren, wenn Sie weitere Medikamente einnehmen, denn Wechselwirkungen sind nie auszuschließen. Das gilt übrigens auch für rezeptfreie Medikamente, die keinesfalls immer unbedenklich sind. Worauf in speziellen Fällen eventuell trotzdem zu achten ist, weiß Ihr behandelnder Nephrologe.







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